Collie-Standards: Englischer und Amerikanischer Typ
Dieser Beitrag wurde am Freitag, 26. Juni 2009 um 00:40 Uhr veröffentlicht.von Gudrun Beck, Fox Lions Collies
In Amerika konnte sich der moderne Englische Collie-Standard der FCI (Fédération Cynologique Internationale) nie wirklich durchsetzen. Eigentlich ist der “Amerikanische Collie” nichts anderes, als der ursprüngliche, altmodische Europäische Collie. Natürlich gibt es auch in Amerika Züchter FCI-reiner Collies, die auf viel Fell und schräge, sehr schmale Augen hin auslesen mussten, wenngleich sie sich etwas mehr Größe weiter geleistet haben. So sind heute auch “Amerikanische Collies” auf dem Markt, die sich tatsächlich nur in der Größe vom Englischen (FCI-)Collie unterscheiden. Andererseits gibt es unter dem, was auf dem Deutschen Welpenmarkt als “Amerikanische Collies” angeboten wird, riesige Unterschiede, weil der Begriff “Amerikanischer Collie” zum Sammelbegriff für alle großen, wenig hochgezüchteten, nicht FCI-reinen Collies mißbraucht wird. Vorsicht: Auch die “Produkte” der Massenzuchten und Billig-Importe nennen sich so!
Schauen wir uns also die Standards im Vergleich genauer an:
Größe und Gewicht: Männliche Amerikanische Collies haben eine Schulterhöhe von 60-66 cm und ein Gewicht von 27-34 kg. Englische Collierüden haben eine Schulterhöhe von 57-61 cm bei etwa 26 kg. Weibliche Amerikanische Collies haben eine Schulterhöhe von 55-61 cm und ein Gewicht von 23-30 kg. Für Englische Collie-Hündinnen gelten die Maße 51-56 cm bei etwa 22 kg. Aber die Größe ist nicht das einzige Merkmal, dass den Amerikanischen Collie vom Englischen unterscheidet.
Felltyp: Das Fell des Amerikanischen Collies soll den Körperlinien angepasst sein und den Körperbau gut erkennbar halten. Das Deckhaar soll harsch und kräftig sein, die Unterwolle dicht, weich und wesentlich kürzer, so dass eine wasserabweisende, gut wärme-isolierende Struktur gewährleistet ist. Englische Collies haben sehr viel längeres, dicht-plüschiges, weiches Fell, dass die Figur oft kaum noch erahnen lässt.
Während sich die typischen Amerikanischen Collies aus Brombeerranken noch selbständig befreien können, hilft bei Englischen oft nur ein Freischneiden. Entsprechend unterschiedlich ist die Verwendbarkeit dieser beiden Typen. Wesentlich einfacher ist die alltägliche Pflege der Amerikanischen Collies.
Farben: Leider gibt es in Amerika noch die Erlaubnis, Merle-Collies mit Zobel-Farbenen zu verpaaren, so dass außer der äußerlich gut erkennbaren Farbe Blue Merle auch die u. U. kaum oder im erwachsenen Alter nicht mehr erkennbare Farbe Sable Merle bzw. Red Merle in Umlauf gebracht wird. Innerhalb der FCI-Vereine ist diese Farbe aus gutem Grund verboten. In der nächsten Generation treten statistisch gesehen ein Viertel meist schwer kranke sogenannte “Weißtiger” auf, wenn versehentlich zwei Zuchtpartner mit Merle-Faktor ausgewählt wurden. Das Merle-Gen, das die gewünschte Aufhellung liefert, ist ein Defektgen, das immer durch ein gesundes Gen vom anderen Elternteil kompensiert werden muss! Besonders teuer gehandelt werden die Amerikanischen Weißen Collies mit farbigem Kopf. Deren Zucht ist auch nicht unproblematisch. Im Zusammenhang mit den Weißen treten immer mehr Schecken auf, die als “weißfaktoriert” gelten, da sie in der nächsten Generation wieder Weiße hervorbringen können.
Form und Größe der Augen: Die Augen der Amerikanischen Collies sind mandelförmig und von mittlerer Größe. Sie lassen sich trotz der schrägen Stellung noch weit öffnen. Sie geben dem Collie ein freundliches Gesicht. Bei vielen Englischen Collies wirken die Augen schmal, schlitzig und sehr klein. Ein asiatisches Lächeln scheint angezüchtet.
Kopfform: Der Kopf des Amerikanischen Collies ist etwas weniger schmal und flach gezüchtet, was ihn bzgl. Epilepsie unempfindlicher hält. Er hat noch einen deutlichen “Stop” zwischen Nasenlinie und Stirnlinie. Je nach Zuchtlinie, kann der Stopp aber auch fehlen und der Kopf klobig wirken im Vergleich zu den zierlichen, sehr schmalen Köpfen und Schnauzen der Englischen Collies, bei denen der “Stop” zwar vorhanden sein sollte, es aber auch nicht immer ist.
Wesensmerkmale: Das Wesen des Amerikanischen Collies ist sanft, angstfrei und ausgeglichen, gleichzeitig aber auch gut motivierbar und leicht erziehbar. Der Hütetrieb kann ausgeprägt sein, besonders bei den altmodischen Europäern. Hütetrieb ist nichts anderes, als Jagdtrieb ohne Töten. Das Positive an triebstarken Hunden ist, dass man sie für Spiel, Sport und Arbeit besonders gut brauchen kann. Die Englisch gezüchteten stehen in Hundesportlerkreisen im Ruf, rechte Mimosen zu sein, die sich zwar aus Angst nicht weiter als 10 m von ihren Menschen weg trauen, mit denen man aber längst nicht überall hingehen, geschweige denn zuverlässig arbeiten kann. Auch fehlt den Englischen Collies oft der Hütetrieb, so dass sie schon deshalb an der Herde nicht mehr eingesetzt werden können.
Beispiel: Fox Lions Collies
Meiner Beobachtung nach haben die weniger hochgezüchteten, nicht FCI-reinen “Amerikanischen Collies” aus seriösen Hobbyzuchten die robustere Gesundheit und höhere Lebenserwartung.
So wandert der Stammvater der Fox Lions Collies, unser 14-einhalb Jahre alter “Aron vom Staatsforst” (s. Foto oben) noch auf Tageswanderungen ohne Probleme bis auf den Brocken (1143 m) hinauf. Mit 4 Monaten begleitete er mich bereits täglich bis zu 12 km frei am Rad durch das Rheinland. In seinen ersten Jahren hat er die Rettungshundeausbildung gemacht, mit fast 5 Jahren in Thun (Schweiz) im Schlittenhunderennen den 3. Platz vor dem Sacco Dog Cart erreicht. Nun ist er im Spaziergeh-Alter, hört etwas schwer, sieht aber noch ganz hervorragend. Bis jetzt braucht er keine Medikamente. Wir wissen noch nicht, woran er mal sterben wird.
Der 12-jährigen Oma Belana geht es nicht mehr so gut. Sie ist nach insgesamt drei folgenschweren Unfällen auf das Rolli angewiesen. Alles in allem, sind beide ohne größere Tierarztkosten zu verursachen alt geworden. Bei ihrer Auswahl achtete ich darauf, dass die jeweiligen Elterntiere aus unterschiedlichen Vereinen stammten, um mir Zuchttiere zuzulegen, die noch möglichst heterogenes Erbgut und dadurch eine gute Gesundheit besitzen. Entsprechend unterschiedlich ist der Nachwuchs ausgefallen.
Die vier Nachkommen aus dem A-Wurf erfreuen sich auch mit 9-einhalb Jahren noch bester Gesundheit. Das macht Hoffnung, dass auch die jüngeren Geschwister, Enkel und Urenkel ohne größere Probleme alt werden.

Das Foto zeigt zwei tricolor-farbene Enkel, Fox Lions Kevin und Fox Lions Kolja, mit 13 Wochen.










