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22.11.99 -- Dr. Bernd A. Weil (Selters, Taunus)

Ausdrucks- und Verhaltensweisen bei Wolf und Hund

Nordeuropäischer Wolf

 

Nordamerikanische Timberwölfin

 

Dichtes langes Winterfell

 

Timberwölfin mit typisch schmalem Fang und starker Hinterhand

 

Kurzes Fell an Fang und Läufen

 

Die Stärkere darf aufreiten (2 Wölfinen)

 

Ängstlicher Kojote

 

Asiatischer Rothund (Rotwolf)

 

Schwarze Lider und Lefzen, umgeben von hellerem Fell, verdeutlichen die Mimik

 

Eisfuchs, auch Canide, jedoch wie alle Füchse weniger eng mit den Hundnen verwandt als Wölfe

 

Es sind mindestens 10.000 Jahre vergangen, seit der Hund aus seinem Vorfahren, dem Wolf ( Canis lupus ), einem jungen Mitglied der Familie der Canidae ("Hundeartige"), hervorgegangen ist und durch Domestikation zum unzertrennlichen Partner, Jagd- und Weggefährten des Menschen wurde. Viele Verhaltens- und Reaktionsweisen des Wolfes lassen auch nach derart langer Zeit immer noch aufschlußreiche Rückschlüsse auf das Instinktleben unserer Haushunde zu.

Um erfolgreicher größere Tiere jagen zu können, mußten sich die Wölfe zu Rudeln zusammenschließen. Deshalb zeigen einzeln gehaltene Hunde häufig Verhaltensstörungen aus Mangel an Sozialkontakten.

Die "Sprache" der Wölfe und der Hunde besteht in erster Linie aus Körpersignalen (Mimik, Gestik, Rutenhaltung usw.), mit deren Hilfe die meisten Auseinandersetzungen - trotz ihrer gut ausgebildeten Waffen - relativ glimpflich beigelegt werden. So dienen Dominanz- und Drohgebärden wie die Unterwürfigkeit dem Zusammenleben und der Arterhaltung durch Kampfvermeidung. Kommt es doch einmal zu einem Kampf, so zeigt meistens bereits nach kurzer Zeit einer der Kontrahenten die Signale der Unterwerfung, indem er sich winselnd oder fiepend mit angelegten Ohren auf den Rücken wirft (Demutsgeste) und seine Rute zwischen die Beine klemmt, während der Sieger drohend mit aufgestellter Rute über dem Verlierer steht oder dessen Genitalien untersucht. - Zu Mißverständnissen kommt es häufiger bei solchen Hunderassen, die durch ihr äußeres verzüchtet-degeneriertes Erscheinungsbild (Körpergröße, Haarlänge, Ohrenhaltung, Kupierungen etc.) von anderen Artgenossen nicht mehr richtig verstanden werden.

Auch der Mensch sendet seinem Hund des öfteren falsche Signale, wenn er ihn zum Beispiel zu sich ruft und ihm bei Nichtbefolgung durch seine Körperhaltung und seine Mimik droht, was den Hund letztlich zum Fernbleiben animiert. So kann schon das Anstarren eines Hundes erhebliche Aggressionen auslösen. Deshalb sollte man bei einem wütenden Hund ruhig stehenbleiben und das Gesicht leicht abwenden. - Einem fremden Hund als Mensch aufrecht gegenüberzutreten oder sich gar über ihn zu beugen (starke Dominanz), zu lächeln (Zähne zeigen) und die Hand von oben herab nach ihm auszustrecken (Angriff), wird ihn in den meisten Fällen enorm provozieren. Besser ist es, dem Hund in der Hocke, mit ruhiger Stimme und nach vorn gehaltener, leicht geöffneter Hand zu begegnen.

Selbstsicherheit und Wesensstärke drückt der Hund - je nach Intensität der Drohung - dadurch aus, daß er sein Kinn zur Brust neigt, das Nacken- und Rückenfell sträubt, die Oberlippe hochzieht und die Ohren sowie die Rute aufrichtet. - Angelegte Ohren, eingeklemmte Rute und ein zusammengekrümmter Körper weisen auf Unsicherheit, Unterwerfung oder Angst hin.

Das Heulen der Wölfe, Kojoten, Schakale sowie vieler Wild- und Haushunde dient der Reviermarkierung und dem Zusammenhalt des Rudels. Wenn ein Hund einer Sirene oder läutenden Glocken instinktiv mit Heulen "antwortet", so hat dies also nichts damit zu tun, daß er Gehörschmerzen empfindet.

Ein Hund, der beim Spielen einen Lappen mit seinem Fang extrem schüttelt, verhält sich wie seine wölfischen Vorfahren, die auf die gleiche Weise ihrer Jagdbeute damit das Genick brechen.

Dreht sich ein Haushund vor dem Hinlegen auf seiner Decke mehrfach um die eigene Achse, so imitiert er ein Instinktverhalten, das ursprünglich dem Niedertreten von Gras oder Schnee diente. - Wälzt sich ein Hund in stark riechenden Dingen (z. B. Mist oder Jauche), versucht er dadurch entweder seinen eigenen Geruch zu überdecken, um sich leichter unbemerkt an Beute heranpirschen zu können, oder - falls er sich in toten Tieren wälzt - den anderen Rudelmitgliedern einen Futterfund mitzuteilen.

Das Wohlbefinden, das ein Hund beim Streicheln auf dem Rücken oder am Bauch empfindet, erinnert ihn an die Berührungen während des Paarungsaktes. - Eine Scheinträchtigkeit (Pseudo-gravidität) wird bei einem im Haus lebenden Hund im allgemeinen als störend empfunden, während es in der Wolfsnatur notwendig ist, daß sich mehrere erwachsene Weibchen um den Nachwuchs kümmern und daher scheinträchtig werden.

Je mehr wir Menschen vom Verhalten unserer geliebten "Wölfe im Wohnzimmer" verstehen, die für ein paar hundert Gramm Futter bereit sind, dem Menschen alles zu geben, um so konfliktfreier wird sich das Zusammenleben gestalten.

 

 

 
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